26.04.12

Love it or leave it


Menschen, die mit Leidenschaft fotografieren, sehen anders. Sie denken in Perspektiven, Standpunkten, Linien und Lichteinfall. Und entdecken Moos auf alten Mauern, dessen kräftiges Grün die Sonne zum Leuchten bringt.  Es gibt jene Stimmungen, die nach Bildern verlangen.

Und es gibt Tage, deren Stimmung kein einziges Bild zulässt. Und kein einziges Wort.

Love it ...or leave it.

24.04.12

Born in Badenhausen - April 22, 2012

Don't limit a child to your own learning, for he was born in another time.  Tagore





15.04.12

Das Mädchen aus dem Märchenwald























Es ist unruhig in der 2. Klasse einer Berliner Grundschule. Die Lehrerin hat eine Hausaufgabe für Sachkunde gegeben. Alle Schüler sollen ihre Mütter nach der eigenen Geburt und der Zeit zuvor fragen. Die Kinder tuscheln und kichern, einige Jungs stopfen sich zusammengerollte Jacken unter den Pullover und lachen sich gegenseitig aus. In der nächsten Woche soll jeder etwas dazu erzählen können. Es klingelt. Die Schule ist aus.

Sie fährt mit dem Fahrrad nach Hause. Die Mutter hat das Essen fertig, es gibt Bouletten mit Salzkartoffeln, dazu Gurkensalat. "Wie war es in der Schule? Hast du Hausaufgaben?" - "War ich auch mal in deinem Bauch? Wie fühlt sich das an?"
Die Mutter stutzt. "Wieso? Ich hab nach deinen Hausaufgaben gefragt." 
- "Das ist die Hausaufgabe! Wir sollen erzählen wie das war als wir geboren wurden. In Sachkunde. Und wie es davor war."

Es kommt erst mal keine Antwort. Der Tisch wird gedeckt, der Vater kommt nach Hause. Man isst gemeinsam. Das Mädchen wagt einen neuen Anlauf: "Papa, ich war doch auch in Mamas Bauch, oder?" Die Eltern schauen sich an. "Iss erst mal. Man spricht nicht mit vollem Mund."

Nach dem Essen sagt die Mutter: "Du warst nicht in meinem Bauch. Bei dir war das etwas anders als bei anderen Kindern. Du kommst aus dem Märchenwald... weil wir uns schon so lange ein Mädchen wie dich gewünscht haben." Dann steht sie auf. "Ich muss dringend noch etwas einkaufen."
Der Vater schaut kurz die Mutter an: "Wir erzählen dir das ganz genau, wenn du etwas älter bist." und steht auf.

In der nächsten Woche wurde die Hausaufgabe abgefragt. Fünf Kinder erzählten, was ihre Mütter gesagt hatten, in welchen Krankenhäusern sie geboren wurden und unter welchen Umständen sie zur Welt kamen. Das Mädchen aus dem Märchenwald wurde nicht aufgerufen.

15.02.12

Licht auf dem Weg

There's a way to do it better - find it. Thomas Alva Edison


Diese Bilder machte ich an einem Tag, an dem Fotografieren das Letzte war, wozu ich Lust hatte. Ich brauchte Bilder von einer Stadt, die ich nicht oder kaum kannte. Ich wusste nicht, wo die guten Standorte sind - ja welche Motive sich überhaupt lohnen würden. Keine Zeit zum Recherchieren, Akkus laden, Tasche packen - und los!

Relativ lustlose Landschaftsaufnahmen bei Zwischenstopps, ein Parkplatz in Hanglage, Fußmarsch für bessere Aussicht. Unbefriedigend die ganze Aktion. Es war sehr warm an diesem Tag, eine Kirchengemeinde feierte ein großes Fest. Es wäre der ideale Ort für jeden Street-Fotografen gewesen - aber nicht für mich. Engagierte Straßenkünstler, viele Kinder, lachende und schwatzende Menschen. Rund um die Kirche führen kleine Gassen mit altem Pflaster an hübschen Häusern vorbei, doch entweder entstellten nervige Passanten den Blickwinkel oder die Perspektive passte nicht.

Dann kam diese kleine enge dunkle Gasse, an der ich fast vorbeiging. Ein Sonnenstrahl traf einen kleinen Flecken Gras und zauberte eine unbeschreiblich schöne Lichtstimmung. Diese Stimmung  erinnerte mich an eine Reise ins Tessin, an eine kurze Zeit vor vielen Jahren in einer wunderbaren Landschaft. Von dem Foto versprach ich mir nicht allzuviel, aber ich wollte diesen Moment festhalten, um ihn mir zuhause wieder ins Gedächtnis rufen zu können. Dieser Augenblick veränderte die Situation.


Nach diesem Foto ging alles wie von selbst. Fast intuitiv findet man Wege zu Orten, an denen man wunderschöne Bilder machen kann. Selbst scheinbar alltägliche Situationen werden zu Begebenheiten, die man nicht vergisst. Viele Bilder aus der Vergangenheit wurden nie fotografiert und treffen nun auf Bilder der Gegenwart.Sie rufen Momente auf, die man fast schon vergessen hatte. Darin liegt etwas ganz Besonderes.
Vielleicht ein Grund, warum viele Menschen, die ausgedehnte Fototouren zu Fuß machen, oft allein unterwegs sind.


Es ist einfach kein Platz für Worte. Licht, Stimmung und Perspektiven füllen alles aus. Zeit verliert an Bedeutung.