16.10.14

Herbst - und Zeit für Rückblick (1)

Von Aufbruch, Fotografie und Dankbarkeit


Vor 11 Jahren an einem Wendepunkt angelangt, dachte ich nicht im Traum daran, dass Fotografie einmal einen so derart hohen Stellenwert in meinem Leben einnehmen würde. Nach dreizehn Jahren bewegtem Alltag im eigenen Betrieb, mit zwei Kindern, die gefühlt immer zu kurz kamen, nach einem Revival für Malerei und Gestaltung war irgendwann der Punkt erreicht, an dem sich der Mut durchsetzte - der Mut, sich wieder zu besinnen auf das, was wirklich wichtig ist: der Moment, den du gerade lebst, wie du ihn erlebst und gestaltest. 

Ich gab mein altes Leben auf. Und ich bezog bewusst meine Kinder ein, so klein sie noch waren. Ich ließ sie mit eintscheiden bei der Wahl unseres neuen Zuhauses, ich ließ sie gestalten, so weit es die Umstände zuließen. Und es machte mir großen Spaß, wie sie jeden Fortschritt mit kindlicher Vorfreude begleiteten.

Wir hatten viel weniger Raum zur Verfügung als zuvor - und hatten doch so viel mehr. In der Einfachheit und dem Improvisieren entwickelte sich so viel Zufriedenheit bei uns dreien, dass ich es kaum für möglich gehalten hätte.  

Und bald zeichnete es sich ab, dass Computer und Internet auch in unserem kleinen Haushalt Einzug halten mussten - die Hausaufgaben meiner Töchter ließen keine andere Alternative. Mit gemischten Gefühlen schaffte ich 2005 einen PC an.

Nach einigen Versuchen mit einer kleinen digitalen Knipse und 128 MB Speicher folgte im selben Jahr die erste digitale Spiegelreflexkamera - eine Nikon D70s.


Ich erinnerte mich an die Fototouren mit meinem Vater, den ich gerade verloren hatte. Nachtaufnahmen, ich als Stativ-Träger, wenig Worte, Mehrfach-Belichtungen, Experimente, viele Eindrücke während des jährlichen Familienurlaubs in Österreich, im Tessin... Ich erinnerte mich, wie stolz ich war, dass er mir seine Kamera auf einer Klassenfahrt anvertraute und wie sorgfältig ich Motive auswählte, damit ich mit zwei 36er Filmen auskam. Und wie gern hätte er jetzt an dieser neuen Technik Anteil genommen... 

Nun eröffnete sich eine neue Welt: Ich konnte Bilder machen, so viel ich wollte! Und man konnte diese Bilder im Nachhinein verändern... aber wie?  Die ersten Versuche bringen mich heute noch zum Schmunzeln (Original auf 1000 Pixel Seitenlänge gebracht und auf "Speichern" gedrückt...). Ich meldete mich in einer Fotocommunity an und lernte nach und nach viele liebe Menschen kennen, die mir das ABC der Bildbearbeitung geduldig vermittelten und immer wieder Mut machten zum Ausprobieren - und auch zum Zeigen. 

Meine kreativen Fotografie-Versuche starteten natürlich in Badenhausen. Jede Hunderunde wurde zur Fototour, die oft unter dem Motto "Versuch & Irrtum" stand. Aber jeder neue Ordner auf der Speicherkarte war eine Lektion. Ich wollte Stimmungen festhalten, Details... und irgendwie das ausdrücken, was mir wichtig war in diesem Moment. Und das gelang zunehmend besser.
Selbst dann, wenn der Weißabgleich falsch eingestellt war - so wie in dem Zufallsprodukt links...

Ende 2005 verloren wir unseren Hund - nach fast 17 Jahren. Zu diesem Zeitpunkt realisierte ich zum ersten Mal die Bedeutung meiner Fotos, ich hatte eine glückliche Zeit dokumentiert - nicht nur auf der Festplatte unseres Computers, sondern unauslöschlich in meinem Gedächtnis. Die Auseinandersetzung mit jeder Einstellung an der Kamera lässt das Bild zuverlässig gespeichert im Kopf zurück - was für eine Bereicherung. Zum ersten Mal empfand ich beim Fotografieren so etwas wie Dankbarkeit - für all diese Momente, für die exzellenten Möglichkeiten, die mir die Technik gab.



Diese Erkenntnis veränderte auch meine Sicht auf die Dinge - ich fotografierte vermeintlich unscheinbare Dinge und Szenen, um sie zu einem späteren Zeitpunkt zusammenzusetzen. Zu etwas Wichtigem und Wertvollem. 

Das sollte sich im Auf und Ab der nächsten Jahre fortsetzen und vertiefen.