20.11.15

November roses

Wishful thinking



If everyone would use at least once a day...
his heart, his mind and all his skills to do other something good -

then the world would be so much better.

04.11.15

Aufeinander zugehen - Blick zurück und nach vorn (2)

Wenn Städte eine Seele haben, gehört Herrenberg dazu

Wenn ich die vergangenen Jahre Revue passieren lasse, fällt mir auf, dass jeder meiner Umzüge im Herbst stattfand. Und mittendrin war immer der gleiche Gedanke vorherrschend: Bitte lass mich mal endlich angekommen sein. Es ist Stress, wenn sich die Lebenssituation ändert, die gewohnte Umgebung wechselt und es so viele neue Faktoren gibt, die man mangels Ortskenntnis einfach nicht einschätzen kann. Muss man im wahrsten Sinne des Wortes er-leben.
Und das braucht Zeit.




Hinzu kommen im  Vorfeld die gut gemeinten Ratschläge zur getroffenen Entscheidung. Als ich mit 17 Jahren gemeinsam mit meinen Eltern aus dem idyllischen Heiligensee (West-Berlin) in den Harz zog, hörten wir Worte wie diese: "Die sind stur, die Harzer. Mit denen wird man nie warm." - "Berliner sind da nicht gern gesehen." - "Da ist der Hund verfroren - was wollt ihr da?"

Der Heiligensee in Berln

Alt-Heiligensee mit dörflichem Stadtkern

Ungeachtet dessen stand der Plan, die Situation war schwierig und es gab nur noch den Weg nach vorn. Einige Tage vor Weihnachten zog ich mit meiner Mutter in einer abenteuerlichen Aktion in den Harz. Mein Vater lag mit einer schweren Herz-OP im Klinikum Charlottenburg.

Da standen wir nun:  ohne Auto, ohne eine Ahnung, wie alles weitergehen sollte, aber mit dem festen Willen, das Durcheinander in geordnete Bahnen zu lenken, bevor mein Vater aus der Klinik entlassen werden würde.

Klein und beschaulich - Bad Grund

In diesen Wochen sprach meine Mutter erst einmal die nächsten Nachbarn an, stellte sich vor und grüßte freundlich, wenn jemand vorbeiging (was sie allerdings auch in Berlin tat, solange ich denken kann).  Um es kurz zu machen: Eine unserer Nachbarinnen bot an, uns regelmäßig zum Großeinkauf in einen größeren Ort mitzunehmen. Ein älterer Herr hielt sogar am Straßenrand an, weil er uns beide mit voll gepackten Einkaufstaschen Richtung Heimatort laufen sah (es waren noch 3 km zu gehen) - wir wurden nach Hause gefahren, er trug uns die schweren Taschen ins Haus und bewunderte den Unternehmungsgeist meiner Mutter, die mit fast 60 Jahren einen neuen Lebensabschnitt begann.

"Die Harzer" waren also freundlicher und hilfsbereiter als gedacht - oder besser - als geglaubt.
Dazu komme ich später noch einmal.

Am Rande des Harzes - die Sösetalsperre in Osterode

Und nun hab ich nach mehr als 30 Jahren das Harzer Umland verlassen. Hab mehr Zeit dort verbracht als in Berlin, wo ich aufgewachsen bin. Klar, dass das irgendwann das gefühlte Zuhause wurde. Dort sind meine Kinder geboren, dort steht mein Elternhaus.

Als ich die ersten Andeutungen machte, nach Baden-Württemberg zu ziehen, waren die Reaktionen interessant. Von "Das ist das beste, was Sie machen können." über "Und dann diese Sprache...da verstehst du  doch gar nix" bis hin zu  "Ins Schwabenland umziehen?? Naja....die sind schwierig, die Schwaben. Mit denen wirst du als Norddeutscher nie warm."

Aha.
Kam mir das nicht irgendwie bekannt vor? ;-)
Zugegeben - diese Sprüche ziehen nicht spurlos an einem vorüber. Hinzu kommen Berichte von Menschen, die voller Tatendrang "ihre" Region verließen und nach nicht zu langer Zeit wieder ins alte Fahrwasser zurückkehrten, weil sie sich einfach fremd fühlten und eben nicht warm wurden.
Weder mit der Gegend, noch mit den Menschen.

Nun bin ich seit einem guten Monat hier.


Hier war alles etwas anders. Es war eine freie Entscheidung und irgendwie Liebe auf den ersten Blick. Die Stadt mit ihren kleinen Gassen, die alten Häuser, der Blick vom Schlossberg auf das Umland... und überall spürt man, dass die Menschen ihre Stadt pflegen. Selbst in kleinen Details.

Es war ein gutes Gefühl  hier zu   s e i n ,  von Anfang an.
Eine Stadt mit Seele.




Der österreichische Autor Gerhard Loibelsberger schreibt in seinem Vorwort zur "Wiener Seele": [...Kann eine Stadt eine Seele haben? - Eine Stadt ist kein Mensch, sondern eine Agglomeration von menschlichen Wesen. Wenn man davon ausgeht, dass sie alle eine Seele haben, kann man argumentieren, dass die Summe all dieser Seelen die Seele der Stadt ergibt. ...].



Die Menschen, denen wir bisher begegnet sind, haben uns mit Freundlichkeit, Offenheit und guten Wünschen begrüßt. Und in Erinnerung an meine Mutter hab ich uns vorgestellt, wenn es die Gelegenheit ergab - was zum einen erstaunt, aber auch sehr freundlich aufgenommen wird.



Und dann sitzt du unter einem Baum mitten in Herrenbergs Altstadt und genießt die warmen Sonnenstrahlen des Herbstes. Es gehen Menschen an dir vorbei, bleiben stehen. Sie fragen, ob du jetzt hier wohnst oder erkundigen sich nach Lunas Rasse ("Ein bisschen wie ein Fuchs...?" Sie hat tatsächlich einen sogenannten Harzer Fuchs als Vater) . Ein Gespräch entwickelt sich und man erzählt, wo man herkommt.
Und dann sagt mir ein freundlicher Mann in feinstem Schwäbisch: "Wissen Sie - wie es in den Wald hineinruft, so schallt es heraus. Sie machen das schon richtig ...und ich wünsche Ihnen eine wunderbaren Anfang in Herrenberg. Herzlich Willkommen! "



Und eben deshalb gibt es DIE .... gar nicht.
Die existieren nicht - höchstens im Kopf derer, die auf niemanden zugehen wollen oder können.